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Steckbrief einer Bahnlinie

Ausgehend vom Herzen der Stadt Bozen, dem zentralen Waltherplatz, wo sich eine Ausweiche und ein kleines Wartehäuschen befand, führte die eingleisige Stadtstrecke durch die Parkstraße zum einstigen Südbahnhof (heute Hauptbahnhof). Diesen Teil durften vom Juli 1908 bis zum Dezember 1948 die Wagen der Bozner Straßenbahn gegen eine Péagegebühr (Maut) mit benützen; die Einfahrten in die Parkstraße sowohl vom Waltherplatz als auch vom Bahnhofsplatz regelte eine elektrische Ampelanlage. Übersah der Straßenbahnfahrer das rote Ampellicht, mußte er der herannahenden Rittner Bahn den Vorrang geben und zurückfahren. Vom Südbahnhof liefen die Rillenschienen noch einige hundert Meter, eingelassen in den Straßenkörper, durch das bebaute Stadtgebiet bis zum eigentlichen Rittner Bahnhof bei km 0,870. In diesem Teilabschnitt kam es in den letzten Jahren vor der Betriebsstillegung zu akuten Verkehrsproblemen, da die Bahn auf der eingleisigen Strecke teilweise gegen den Verkehrsfluß fuhr.

Im Betriebsbahnhof der Rittner Bahn am östlichen Stadtrand Bozens befanden sich das Verwaltungsgebäude (heute steht die Talstation der Seilbahn an dieser Stelle), eine große Wagenhalle für Wartungs- und Reperaturarbeiten, eine ebenfalls zweigleisige Remise für die vier Zahnradloks, sowie das Lagerhaus und die Verladerampen für das doch recht umfangreiche Güteraufkommen.

Unmittelbar nach der Bahnhofsausfahrt begann einst die Zahnstange: Eine Lok schob mit etwa 6,7 km/h den Zug von 265 m Meereshöhe auf 1175 m. Etwa in der Mitte des 4,1 km langen Zahnstangenabschnitts befanden sich eine Betriebsausweiche und das Umformerwerk; der von den Etschwerken geleiferte Drehstrom von 10.000 Volt wurde auf 3000 Volt heruntergespannt, um dann über einen 322 PS starten Motor einen Generator anzutreiben, welcher die gewünschte Gleichstromspannung von 750 Volt in den Fahrdraht einspeiste.

Nach dem Auskuppeln der Zahnräder kurz vor Maria Himmelfahrt blieb die Lok zurück; bei der Mitführung von Beiwagen waren hier Rangiermanöfer erforderlich, um den Triebwagen an die Zugspitze stellen zu können. Solche zeitraubende Zugumstellungen verlangten die Betriebsvorschriften, die besagten, daß im Zahnstreckenteil talseitig (an der Schublok) der Triebwagen, dann ein eventueller Personenanhänger und bergseitig schießlich die Güterwagen anzuordnen seien. Dies war notwendig, um ein Aufsteigen leichterer Waggons zu verhindern.

Mit bis zu 25 km/h schnurrte die Garnitur nun über Oberbozen und Lichtenstern (mit 1250 m höchster Punkt der Bahnanlage) zur Endhaltestelle in Klobenstein.

Oft löste das Ankommen eines Zuges hektisches Treiben in den Bahnhöfen aus, galt es doch, die mitgeführten Waren in aller Eile zu entladen. Neugierig scharten sich vor allem die Kinder um frische Südfrüchte und alten Wein, Zeitungen und Zigaretten, Ziegel und Rohre, Medikamente, um das Gepäck der Reisenden und vieles mehr. Der wirtschaftliche Aufschwung entlang der Bahnlinie forderte immer größere Transportleistungen von der Bahn; eigene Güterzüge wurden eingeführt. Noch manch älterer Rittner weiß zu erzählen, daß die samstäglichen Güterzüge, begleitet von den Frächtern, auf freier Strecke stehenblieben, um Waren möglichst nahe an den Häusern abzuladen. Dem gegenüber standen die schweren Holztransporte in Richtung Stadt, von Bahnpersonal und Bahnmaterial das Äußerste fordernd.

Auch Transporte von akut Erkrankten erlebte die Rittner Bahn; nicht nur einmal mußten Lokführer und Maschinist in der Umformerstation des Nachts aus den Federn geholt werden, um plötzlich Erkrankte nach Bozen zu bringen.

Schließlich soll noch auf die letzten beiden Jahre des Zweiten Weltkrieges hingewiesen werden: Neben der Versorgung der "FLAK"-Stationen in Oberbozen pendelten viele Bozner allabendlich mit der Bahn auf den Ritten, um eventuellen Bombenangriffen auf die Stadt zu entgehen.

Diese wenigen Beispiele sollen verdeutlichen, welchen Stellenwert die Bahn als leistungsfähiges und zuverlässiges Verkehrsmittel einst einnahm, bis der Individualverkehr nach Fertigstellung der Straßenverbindung Bozen - Ritten diesen Bahnbetrieb fast zum Erliegen brachte.

Seit damals spielt der Güterverkehr kaum mehr eine Rolle. Der Personenverkehr aber kann sich sehen lassen: Neben einer großen Anzahl täglich verkehrender Pendler und Schüler erfreut sich die Rittner Bahn auch eines regen Ausflugsverkehrs und ist eine weitum gefragte Touristenbahn. Die unzähligen "Eisenbahnfreunde" aber tragen nur sehr beschränkt dazu bei, die Fahrgaststatistik noch positiver erscheinen zu lassen. Daher eine Anregung: Die Bahn ist es nicht nur wert, auf Zelluloid gebannt zu werden, sondern sollte auch direkt benützt werden. Jede verkaufte Fahrkarte sichert den weiteren Bestand der "Eisenbahn am Berg" ganz allgemein und hilft zugleich mit, den günstigen Stundentakt zu erhalten!

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